Im Frühsommer diesen Jahres stand ein Buch auf der Bestsellerliste, das zwar einen sehr originellen Titel trug, mich aber sehr ärgerte: Kolumnist Jan Weiler schrieb unter dem Titel Das Pubertier über seine Tochter Carla, deren Zimmer er humorig als “Versuchsanordnung” bezeichnet (und er ist scheinbar der Laborleiter). Es ist überhaupt Mode geworden im Bildungsbürgertum, Teenager auf Armeslänge distanziert zu belächeln, als wären sie Dorfidioten: Gut, es sind die Hormone, sie können vielleicht nichts dafür, aber guck mal, was der für komische Grimassen schneidet!

Der Trend in Erziehungs- und Pubertätsratgebern geht seit längerem dahin, die eigenen Kinder als Tyrannen zu sehen, die vor allem Grenzen brauchen, dazu haufenweise Nein aus Liebe, und vor allem natürlich gute deutsche Disziplin. Das behaupten jedenfalls einige der erfolgreichsten Buchtitel der letzten Jahre.

Ihnen gemeinsam ist ein klagender Unterton. Es ist selbstgerechtes Stammtisch-Gejammer, das nur deshalb in Buchform ausgeliefert werden muss, weil die gestressten Eltern vor lauter Besorgt- und Genervtheit keine Zeit zum Kneipenbesuch mit Freunden mehr haben. Oder es sind gar keine Freunde mehr da, weil die missratene Brut so viel Kraft zehrt.

Neu hinzugekommen sind seit kurzem klar diffamierende Bezeichnungen: Die Kinder sind mittlerweile eben Pubertäter oder Pubertiere, so der Titel einer weiteren aktuellen Klageschrift. Sagen wir mal so: Wie man in den Wald rein ruft, so schallt es heraus. Wen man als “Täter” oder “Tier” abstempelt, der hat nicht mehr viel zu verlieren – und wenig Möglichkeiten, noch die Liebe und Anerkennung der Eltern zu erlangen. Über das eigene Kind in Kolumnen und Büchern zu spotten, ist aus meiner Sicht respektlos und im Hinblick auf die angeblich erhoffte Verbesserung des Familienlebens kontraproduktiv.

Ich finde:

Wobei man den Autoren ja immerhin zugute halten muss, dass sie nicht heimlich lästern. Breitbeinig stehen sie im Leben und erfreuen sich ihrer Sicht der Dinge. Und vielleicht finden ihre Kinder es ja sogar okay bis lustig, immerhin bescheren ihnen die elterlichen Bucheinnahmen vermutlich das nächste iPhone.

Aber selbst wenn in den Autorenhaushalten alles im grünen Bereich sein sollte, habe ich den Eindruck, die Leser greifen zu diesen Titeln, um mitzuleiden, sich höhnisch auf die Schenkel zu klopfen, und ihren eigenen Teenager hinterher noch dämlicher zu finden als zuvor.

Aus diesem Ärger entstand die Idee für Jetzt chill mal, Papa, das beim Thiele Verlag in München ein wundervolles Zuhause gefunden hat. Mein Ziel:

Ich plädiere in  Jetzt chill mal, Papa für einen entspannteren Umgang mit Teenagern. Langsamer und möglichst verständnisvoll. Logisch, dass auch Beispiele ins Buch mussten – und schon stand ich vor demselben Problem: Wie okay ist es eigentlich, über meine Kinder zu schreiben? Meine ältere Tochter hat das Buch halb gelesen und fand es bisher “gut und lustig”. Immerhin.

Es war für mich vor allem auch eine Gelegenheit, meine eigenen Werte zu überprüfen und nachzujustieren. Der aus meiner Sicht wichtigste Tipp ist zugleich der einfachste und superschwer:

Noch mehr Videos zum Weiterleiten an gestresste Elternfreunde gibt es hierhttp://vimeo.com/album/3030273

Und nun an die Kommentare: Welches ist Ihr bester Tipp für den Umgang mit Teenagern?